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25 Jahre Jugendtreff Café Mint

Lautes Geschrei. Einige Jungs reißen die Glastür des Jugendtreffs „Café Mint“ im CVJM-Haus auf und sprinten nach draußen. Nach ein paar Metern bleiben sie stehen. Sie rufen und lachen. Noch einmal geht die Glastür auf. Ein Mann tritt aus der Tür, ruft die Jungs zurück. Sie diskutieren lautstark. Zunächst scheint es, als ob sie widerwillig sind. Kurze Zeit später aber lachen sie wieder und verschwinden hinter der Glastür, aus der sie eben noch herausgesprintet sind.

 

Alltag im Jugendtreff „Café Mint“. Genau genommen, gibt es ihn gar nicht, diesen Alltag.

Jeder Tag ist ganz anders. Das liegt an den vielfältigen Angeboten, genauso wie an den vielen verschiedenen Kindern und Jugendlichen, die jeden Tag in den Jugendtreff kommen. Eines aber entdeckt man hier jeden Tag: Mitarbeiter, denen diese Kinder und Jugendlichen am Herzen liegen, die sich mit Leidenschaft um sie kümmern und die alles geben, um ihnen etwas mitzugeben.

Aber schauen wir mal in die Vergangenheit: Wie kommt es, dass sich täglich bis zu 80 Kinder und Jugendliche im Jugendtreff „Café Mint“ aufhalten und sich dieser Ort so großer Beliebtheit erfreut?

 

Entstehung

Wir reisen zurück in das Jahr 1989. Dieses Haus, in dem später auch der Jugendtreff „Café Mint“ sein Zuhause findet, gehörte auch damals schon dem „Christlichen Verein Junger Menschen Mannheim“ (kurz: CVJM Mannheim), dessen Zielgruppe Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind. Das CVJM-Haus bietet nicht nur etlichen Familien und Wohngemeinschaften ein Zuhause, sondern ermöglicht auch, dass sich Kinder- und Jugendgruppen treffen und gemeinsam Zeit miteinander verbringen können.

1989! In diesem Jahr entschließt sich der CVJM Mannheim, eine Befragung seiner Mitarbeiter durchzuführen, um Ideen zu sammeln, wohin sich der CVJM in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Und da war sie – die Idee des Jugendcafé „Café Mint“.

Diese Idee, eine offene Arbeit für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil des CVJM Mannheim zu ermöglichen, stieß zunächst nicht auf Zustimmung, sondern erntete eher ein Lachen. Die finanzielle Situation war angespannt und neben hohen Schulden gab es nicht einmal passende Räumlichkeiten für solch ein Jugendcafé. Aber zeitgleich zu dieser Idee kündigte das Therapiezentrum, der damals wichtigste Mieter des Hauses, und Räume für das Jugendcafé wurden frei.

Als weiteren Schritt initiierte die Leitende Referentin Birgit Pieper ein Treffen aller im Stadtteil ansässigen sozialen Einrichtungen wie z.B. Drogenverein, Begegnungsstätte Westliche Unterstadt, Kirchen etc. um zu erkunden, wie es um den Bedarf nach offener Jugendarbeit bestellt war. Als hier Notwendigkeit klar wurde, wurde auch im CVJM die Idee weiter verfolgt. Schließlich begeisterte die Hoffnung, Kinder und Jugendliche in der Innenstadt zu erreichen, in sie zu investieren und ihnen eine Heimat zu bieten, die Mitarbeiter des CVJM Mannheim. Die vom CVJM initiierte Vernetzung der sozialen Einrichtungen im Stadtteil wurde als Stadtteilkonferenz weiter ausgebaut.

Da das Geld knapp war, wurde in Eigenregie mit der Renovierung begonnen. Der CVJM Mannheim erhielt ein Erbe, was sich als großes Geschenk erwies, denn nun konnte es viel schneller vorangehen. Am 7.9.1991 schließlich, vor 25 Jahren, wurde das Café eröffnet und durch ehrenamtliche Helfer getragen.

 

Entwicklungen in der Mitarbeiterschaft

Gisela Skowron war die verantwortliche Ehrenamtliche für das Café und im Laufe der ersten Jahre investierten die ehrenamtlichen Mitarbeiter viel Zeit in diese Arbeit. Anfangs lief die Arbeit schleppend und es wurde schnell klar, dass hier viel mehr Zeit in die Arbeit investiert werden musste, als Ehrenamtliche leisten konnten.

Dieter Leber war der erste Hauptamtliche und über Besuche in Schulen, das Angebot eines Schülerfrühstücks, bei dem Kinder und Jugendliche mit ihren Lehrern das Café Mint kennen lernen konnten, füllte sich das Café. Auch Spielevents mit dem Innenstadtrevier der Polizei entwickelten sich, was zu einem Umdenken bei straffällig gewordenen Jugendlichen führte, denn von jemandem, mit dem man mal gekickert hat, lässt man sich ungern verhören. Vertrauensaufbau und leben in diesem Vertrauen war in dieser Zeit die Basis der Arbeit.

Viele Hauptamtliche haben die Arbeit weiter begleitet: Gerhard Uhrig, Jenny Wiehe, Danila Halter, Monja Hinz (heute Hubert), Katharina Kahl, Sirinja Landeck, Tim Engel, David Buhl und Dorothea Möglich. Dazu unterstützten immer wieder viele Ehrenamtliche die Arbeit.

 

Der Jugendtreff heute

Heute beschäftigt der CVJM Mannheim dank der Unterstützung der Stadt Mannheim und des Integrationsfonds 1,5 Hauptamtliche und einige Honorarkräfte im Jugendtreff „Café Mint“. Nur so ist diese Arbeit überhaupt zu leisten. Das Café Mint ist an 205 Tagen im Jahr geöffnet und die Vielfalt an Angeboten ist riesig. Es gibt Tischkicker, Billard und ganz viele andere Spiele. In einem Werkraum kann unter Anleitung der Mitarbeiter gebastelt und gewerkelt werden. Es gibt – seit dem 10. Geburtstag des Cafés - einen direkten Zugang vom Café zur Turnhalle des CVJM, in der Fußball, Volleyball und vieles mehr gespielt werden kann.

Außerdem gibt es ein Stockwerk tiefer einen Fitnessraum, der sich größter Beliebtheit bei den Jungs erfreut. Auch einige PCs stehen zum Spielen und für Lernspiele zur Verfügung. Einmal in der Woche gibt es auch das Kochcafé, bei dem die Mitarbeiter gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen kochen und essen. Eine riesige Vielfalt an Möglichkeiten! Im Jugendtreff wurden diese verschiedenen Angebote nicht ohne Grund eingerichtet.

 

Die Besucher des Jugendtreffs

Damals, wie auch heute, war und ist der Jugendtreff „Café Mint“ geprägt von Internationalität und Vielfalt. Über die Jahre frequentierten unterschiedliche Gruppen das Café: Griechen, Türken, Sinti und Roma, Bulgaren und viele mehr.

Viele der Kinder und Jugendliche, die täglich in das Café kommen, leben in einem herausfordernden Umfeld. Sie kommen oft aus bildungsfernen oder sozial benachteiligten Familien und können oftmals nur wenig Deutsch sprechen. Laut der Statistischen Daten No.3/2016 der Stadt Mannheim leben zwischen 57 und 65 % Kinder mit Migrationshintergrund in der Mannheimer Innenstadt/Jungbusch und Neckarstadt –West. Aus diesen Stadtteilen kommen viele der Besucher und Besucherinnen des Café Mint. Diese Stadtteile sind z.T. immer wieder im Zentrum der Drogen- und Alkoholszene. Diese Kinder und Jugendlichen erleben teilweise Tag für Tag Dinge, die wenig hilfreich für die Entwicklung von jungen Menschen sind. In den Jugendtreff kommen fast ausschließlich Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die Mitarbeiter fördern die interkulturelle Integration: durch gegenseitiges Kennenlernen kann ein Miteinander, nicht nur ein Nebeneinanderher erreicht werden. Auch mit der deutschen Kultur können die Teilnehmer weiter vertraut werden, wenn in Gesprächen deutsche Gepflogenheiten und Verhaltensregeln erklärt werden.

 

Konzeptionelle Werte des Jugendtreffs

Die Mitarbeiter sind überzeugt, dass es den Jugendtreff gibt, damit Kinder und Jugendliche aller Nationalitäten einen Ort der Heimat und Hoffnung finden. Für sie bildet die Liebe, die Jesus unter uns Menschen gebracht hat, das Zentrum ihrer Arbeit. Ihre Gaben und Fähigkeiten zu entdecken und zu fördern, um den Kindern und Jugendlichen Wert und Selbstvertrauen zu vermitteln, ist daher ein wesentliches Anliegen der Arbeit.

Dabei sind die Angebote, die es gibt, ganz entscheidend:

Indem die Kinder und Jugendlichen im Werkraum etwas selbst gestalten, können sie ihre Fähigkeiten erproben und entdecken, dass es sich lohnt, Arbeit zu investieren. Im Fitnessraum können vorwiegend die Jungen ihre Energie konstruktiv für sich und ihren Körper einsetzen. Bei den verschiedensten Spielen und Alltagssituationen lernen die Kinder und Jugendlichen, dass es Regeln gibt, an die man sich halten muss, und dass so das Miteinander auch langfristig Spaß macht.

Auch mit den Medien setzen sich die Besucher und Besucherinnen auseinander. Mit Hilfe des Internetführerscheins lernen die Kinder und Jugendlichen, mit dem PC und dem Internet umzugehen.

 

Die wichtigste Grundlage der Arbeit ist, dass die Mitarbeiter Beziehungen zu den Besuchern aufbauen. Sie sind Ansprechpartner, interessieren sich für die individuellen Themen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, geben aber auch klare Regeln vor und vermitteln dadurch, was es bedeutet in einer Gemeinschaft zu leben. Es erfordert viel Zeit und Geduld, Beziehungen aufzubauen, in denen sich Vertrauen entwickelt – dazu braucht es viele Kickerspiele oder gemeinsame Aktivitäten wie Basteln, Musikmachen, Kochen und Essen im Kochcafé etc., bis sich tiefere Gespräche entwickeln und Kinder und Jugendliche sich prägen lassen.

 

Fazit

Der Jugendtreff „Café Mint“ ist für viele Kinder und Jugendliche in der Innenstadt unverzichtbar geworden. Sie haben hier Heimat gefunden, sie haben Hilfe und Unterstützung gefunden, haben Freundschaften geschlossen und Beziehungen geknüpft.

Auch aus der CVJM-Arbeit ist der Jugendtreff heute nicht mehr wegzudenken. Die Mitarbeiter des CVJM Mannheim stehen geschlossen hinter dem Jugendtreff „Café Mint“, der einen ganz wesentlichen Beitrag für die Integration in der Mannheimer Innenstadt und die soziale Förderung von Kindern und Jugendlichen in Mannheim leistet. Wir haben Grund zum Feiern, dass der Jugendtreff „Café Mint“ 25 Jahre alt wird.

Wir feiern am 11. und 12. November und laden alle, die sich der Arbeit verbunden fühlen herzlich ein.

 

Ich lächle – wissend, dass die Jungs hier gut aufgehoben sind. Sie werden heute einiges erleben, vieles lernen und ganz besonders werden sie die Liebe der Mitarbeiter des Jugendtreffs „Café Mint“ spüren. Ich lächle – und danke Gott für seinen reichen Segen.

 

Andreas Koch, Elke David, Andrea Troche & Dorothea Möglich

 

 

Förderung durch:

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